VDI 6022

Gefahr aus Lüftungsanlagen Gefahr aus Lüftungsanlagen

RLT-Anlagen müssen so betrieben und gewartet werden, dass sich für Personen keine Gefahren oder Nachteile für deren Gesundheit ergeben.

Die Richtlinie VDI 6022 - Raumlufttechnik, Raumluftqualität - [1] ist eine Zusammenfassung von hygienisch begründeten baulichen, technischen und organisatorischen Anforderungen, hinsichtlich Planung, Fertigung, Betreiben und Instandhalten von raumlufttechnischen Anlagen.

Ziel ist es, mögliche Gefahren oder Nachteile auszuschließen oder zu minimieren.

Für die Umsetzung der VDI 6022 in die tägliche Praxis ist die Unternehmensleitung zuständig. Werden die in der VDI 6022 festgelegten Maßnahmen nicht oder nur teilweise beim Betrieb von raumlufttechnischen Anlagen berücksichtigt, so können folgende Punkte rechtlich Bedeutung gewinnen:

Umkehr der Beweislast: Kann ein Unternehmen einen regelkonformen Betrieb seiner Anlagen, Dokumentationspflicht, nicht beweisen, so kehrt sich die Beweislast um.
Beispiel: Ein Arbeitnehmer behauptet, er habe am Arbeitsplatz durch die seiner Meinung nach mangelhaft gewartete raumlufttechnischen Anlagen eine Schimmelpilzallergie erworben. Alle in der Beweisführung anfallenden Kosten für Messungen, technische und medizinische Sachverständigengutachten sind vom Unternehmen zu bezahlen.

Organisationsverschulden: Im Rahmen der betrieblichen Organisation ist die Unternehmensleitung sowie die zuständigen Fach- und Führungskräfte bei möglichen Schäden schadensersatzpflichtig. Ein Haftungsausschluss kann nur erwirkt werden, wenn ein pflichtgemäßes Verhalten vorliegt.

Überwachung der Praxis: Die Überwachung der Einhaltung der VDI 6022 ist staatliche Aufgabe und wird von Gewerbeaufsichtsämtern, beziehungsweise den Ämtern für Arbeitsschutz und den Berufsgenossenschaften wahrgenommen.

Betreiberverantwortung

Der Paragraf 4 des Arbeitsschutzgesetzes gibt vor, dass der Stand der Technik, Arbeitsmedizin und Hygiene sowie sonstige gesicherte arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse zu berücksichtigen sind.

Der „Stand der Technik“ entspricht einer höheren Rechtsebene in der Rechtssprechung, als die „allgemein anerkannten Regeln der Technik".

Die technische Richtlinie VDI 6022 ist juristisch als rechtsnormenähnlich einzustufen und erhält dadurch Gesetzescharakter.

Den Stand der Technik entsprechend, somit rechtlich bindend, schreibt die VDI 6022 Hygieneinspektionen an raumlufttechnischen Anlagen alle 3 Jahre, bei Anlagen mit Luftbefeuchtung alle 2 Jahre, vor.
Die mikrobiologische Prüfung des Umlaufwassers von Sprühbefeuchtern ist halbmonatlich durchzuführen. Dieser Zeitraum kann auf monatliche Kontrolle verlängert werden, wenn:

  1. der Betreiber nachweisen kann, dass er die konstruktiven Hygieneanforderungen an die Wasseraufbereitung sowie an der Befeuchtungseinrichtung eingehalten hat
  2. mindestens drei aufeinander folgende mikrobiologische Prüfungen des Umlaufwassers die maximal zulässige Gesamtkoloniezahl unterschritten hat

Die Ergebnisse sind zu protokollieren und dienen Ihnen, dem Gewerbeaufsichtsamt und dem Amt für Arbeitsschutz als Nachweis, über den Zustand der Anlagen. Sie können entsprechend handeln, Ihrer Beweispflicht nachkommen und ggf. Schaden abwenden.

Die Hygieneinspektion ersetzt nicht die turnusmäßige Wartung der Anlagen.

Fragen? Gern dürfen Sie Kontakt mit uns aufnehmen.

[1] VDI Richtlinie 6022 Verein Deutscher Ingenieure